Leistungspreis ab 2027: Deine höchste Viertelstunde zählt mit
Für die meisten Haushalte in Tirol ändert sich nichts. Läuft bei dir aber eine Wärmepumpe oder lädt ein E-Auto, lohnt ein Blick auf die neuen Netzgebühren. Die Regeln stehen fest, die Euro-Beträge noch nicht: Sie kommen erst mit der Tarifverordnung.
Ab 1. Jänner 2027 bestimmt auch deine höchste Viertelstunde im Monat einen Teil deiner Netzgebühr, bei Haushalten spätestens ab 1. Juli 2028. Beschlossen und veröffentlicht, die Euro-Beträge folgen mit der Tarifverordnung. Stand 12.10.2026.
- Erstveröffentlichung nach dem Beschluss der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung.
Sobald die Tarifverordnung vorliegt, tragen wir die Euro-Werte für Tirol hier nach.
Was sich bei den Netzgebühren ändert und ab wann
Die E-Control hat am 12. Oktober 2026 die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung beschlossen. Bisher laufen die Netzgebühren zu rund 90 Prozent über die bezogene Menge und zu rund 10 Prozent über eine Grundpauschale. Künftig sollen Menge und Leistung je etwa die Hälfte ausmachen.
Der Zeitplan in drei Schritten:
- 1. Jänner 2027: Die Regeln treten in Kraft, die Umstellung läuft über rund drei Jahre.
- 1. Oktober 2027: Der Winter-Nieder-Arbeitspreis startet.
- Spätestens 1. Juli 2028: Bis dahin hat jeder Netzbetreiber den Leistungspreis bei Haushalten eingeführt. Wann die TINETZ in deinem Netzbereich umstellt, steht noch nicht fest.
Das Ziel ist handfest: Verteilt sich die Last besser, muss weniger Netz gebaut werden. Die E-Control rechnet langfristig mit rund 300 Millionen Euro vermiedenen Netzkosten pro Jahr. Woraus sich dein Strompreis insgesamt zusammensetzt, steht im Strompreis in Österreich.
Was der Leistungspreis überhaupt ist
Dein Smart Meter misst nicht nur die Kilowattstunden, sondern auch, wie viel Leistung du in jedem Viertelstundenfenster im Schnitt ziehst. Der höchste dieser Werte im Monat ist künftig die Grundlage für einen Teil deiner Netzgebühr.
Stell dir das Netz wie eine Straße vor: Gebaut wird sie nicht für den Durchschnittsverkehr, sondern für den Stau zur Stoßzeit. Bisher haben alle gleichmäßig mitgezahlt. Künftig zahlt stärker mit, wer die Stoßzeit verursacht.
Entscheidend ist der Durchschnitt über eine ganze Viertelstunde, nicht der Moment. Ein Wasserkocher, der drei Minuten läuft, geht im Viertelstundenschnitt weitgehend unter. Die TINETZ formuliert es so: Kurzzeitige Spitzen führen nicht automatisch zu einem höheren Abrechnungswert. Verschwunden ist ihr Beitrag damit nicht, er fällt nur kaum ins Gewicht. Entscheidend sind Dauer und die Frage, was gleichzeitig läuft.
Winterrabatt und flexible Netznutzung
Zwei Wege, aktiv günstiger wegzukommen. Beide setzen einen Smart Meter mit Viertelstundenwerten voraus.
| Was | Zeitfenster | Wichtig dazu |
|---|---|---|
| Sommer-Nieder-Arbeitspreis | 1. April bis 30. September, 10 bis 16 Uhr | Gibt es bereits, bisher rund 20 Prozent Reduktion |
| Winter-Nieder-Arbeitspreis | 1. Oktober bis 31. März, 23 bis 5 Uhr | Neu ab Oktober 2027, Höhe noch offen |
| Flexible Netznutzung | Einschränkung höchstens zweimal täglich für je zwei Stunden | Ersetzt den unterbrechbaren Tarif, Rabatt auf den Leistungspreis |
Bei der flexiblen Netznutzung legst du selbst fest, welcher Teil deiner Bezugsleistung garantiert sein muss und welcher flexibel sein darf. Den flexiblen Teil darf der Netzbetreiber höchstens zweimal täglich für je zwei Stunden einschränken, dafür gibt es einen Rabatt auf den Leistungspreis.
Wie hoch der ausfällt, legt die Tarifverordnung fest. In der Berichterstattung kursiert ein Wert von 75 Prozent, der ORF nennt ihn am 12. Oktober 2026. In der Grundsatzverordnung selbst steht er nicht. Wichtig zur Einordnung: Gemeint wäre ein Nachlass auf den Leistungspreis-Anteil für den flexibel gestellten Teil, nicht auf deine Stromrechnung insgesamt.
Ob sich das für dich lohnt, hängt davon ab, was in diesen zwei Stunden passiert. Mit Speicher und Steuerung lässt sich vieles abfangen, aber nicht alles: Ein leerer Speicher an einem kalten Winterabend hilft wenig, wenn gleichzeitig geheizt und geladen werden soll. Das rechnet man vorher durch, nicht hinterher.
Was noch offen ist
Ehrlich dazugesagt: Die Richtung steht, die Zahlen nicht.
- Die Euro-Beträge fehlen. Was der Leistungspreis in Tirol kostet, regelt erst die Tarifverordnung der E-Control, erwartet gegen Ende 2026.
- Die Höhe der Rabatte fehlt, beim Winter-Nieder-Arbeitspreis wie bei der flexiblen Netznutzung.
- Der Termin für deinen Netzbereich fehlt. Klar ist nur das Fenster zwischen Jänner 2027 und Juli 2028.
Wir tragen die Werte nach, sobald sie da sind. Zahlen, die derzeit kursieren, stammen aus Medienberichten, nicht aus der Verordnung.
Was das für deine Planung heißt
Wenn du gerade eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder eine PV-Anlage planst, gehört der Leistungspreis in die Rechnung. Er verschiebt, was sich lohnt: Eine Anlage, deren Teile voneinander wissen, steht ab 2027 anders da als dieselben Komponenten ohne gemeinsame Steuerung. Ob Wärmepumpe und Wallbox sich abstimmen, war bisher eine Komfortfrage. Jetzt ist sie auch eine Kostenfrage.
Genau da liegt der Unterschied zwischen einzelnen Komponenten und einem System mit einer Steuerung. Als Tiroler Komplettanbieter planen wir Photovoltaik und Wärmepumpe, Speicher und Wallbox als ein System. Das Energiemanagement verschiebt die großen Verbraucher in die Sonnenstunden und sorgt dafür, dass nicht alles gleichzeitig anläuft.
So verschiebt sich deine Netzgebühr
Betrifft dich das?
Für die meisten ist die Antwort beruhigend.
Wahrscheinlich nicht betroffen bist du, wenn keine leistungsstarken Geräte im Haus laufen. Die E-Control formuliert es so: Für einen durchschnittlichen Haushaltskunden ohne leistungsstarke Anwendungen wird es keine Änderungen geben.
Hinschauen solltest du, wenn Wärmepumpe und Wallbox im Haus sind. Eine Wallbox mit 11 kW und eine Wärmepumpe, die an einem kalten Jänner-Abend gleichzeitig anlaufen, ergeben über eine Viertelstunde genau das Lastprofil, das der Leistungspreis bewertet. Die TINETZ nennt diese Kombination als typischen Fall.
Und der Netzanschluss? Hier die Entwarnung, die in vielen Berichten untergeht. Wichtig ist dabei, zwei Dinge auseinanderzuhalten: die Anschlussleistung, die einmalig beim Netzanschluss zählt, und den Leistungspreis, der monatlich mitläuft.
Bei der Anschlussleistung gilt: Jedem Kunden werden zunächst 10 kW netzwirksame Bezugsleistung zugeordnet. Bisher waren vertraglich oft nur 4 kW vereinbart, die Übergangsregelung verhindert also, dass alle Leistung nachkaufen müssen. Und wer 2026 tatsächlich höhere Werte hatte, muss dafür nicht nachzahlen: Bei gemessenen 15 kW werden die 5 kW darüber kostenlos zugestanden. Auch beim neuen Netzanschlussentgelt sollten sich laut E-Control für ein typisches Einfamilienhaus keine gravierenden Veränderungen ergeben.
Der monatliche Leistungspreis ist davon unabhängig. Er bemisst sich an deiner höchsten Viertelstunde und läuft weiter, egal wie dein Anschluss dimensioniert ist.
So vermeidest du Stromspitzen
Es geht nicht darum, weniger zu verbrauchen, sondern nicht alles gleichzeitig. Was das rechnerisch bedeutet, zeigt ein einfaches Beispiel.
Ein Winterabend, zwei Varianten
Vier Hebel, die die TINETZ selbst nennt.
E-Auto zeitversetzt und langsamer laden
Ein Auto, das über Nacht zwölf Stunden Zeit hat, braucht keine volle Ladeleistung. Laut ORF-Bericht reicht es meist, von 11 auf 4 kW herunterzugehen. Eine Wallbox, die mit dem Energiemanagement zwischen ein- und dreiphasigem Laden umschaltet, macht das automatisch.
Wärmepumpe gleichmäßig laufen lassen
Sie arbeitet am effizientesten, wenn sie durchläuft statt in Schüben. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass sie nicht genau dann hochfährt, wenn alles andere läuft.
Eigenen Solarstrom zur richtigen Zeit nutzen
Was du selbst erzeugst und direkt verbrauchst, taucht in keiner Viertelstunde auf. Ein Energiemanagement verschiebt Wärmepumpe, Wallbox und Heizstab in die Sonnenstunden und sorgt dafür, dass nicht alles gleichzeitig läuft. Im Winter am Abend zählt die Steuerung mehr als die Modulfläche.
Batteriespeicher
Er liefert am Abend den Strom vom Tag und nimmt Last aus dem Netz. Die TINETZ führt ihn ausdrücklich als Hebel gegen Lastspitzen. Ein typischer Heimspeicher hebt den Eigenverbrauch von rund 40 Prozent auf bis zu 90 Prozent. Wie sich Netzkosten in Tirol sonst noch senken lassen, steht im Beitrag zum Sonnenrabatt in Tirol.
Der Haken: billig und niedrig sind nicht dasselbe
Hier wird es interessant, und genau das übersehen die meisten Ratgeber. Ein dynamischer Stromtarif belohnt dich dafür, in den günstigen Stunden zu laden. Der Leistungspreis bestraft dich dafür, zu viel auf einmal zu ziehen. Beides gleichzeitig zu optimieren ist nicht dasselbe.
Ein Beispiel: Nachts um drei ist der Börsenstrom billig. Lädt in dieser Stunde das Auto mit voller Leistung und die Hausbatterie zieht parallel nach, entsteht genau dann eine neue Bezugsspitze, obwohl die Kilowattstunde wenig kostet. Du sparst beim Arbeitspreis und zahlst beim Leistungspreis drauf.
Eine Steuerung muss deshalb beides zugleich sehen: den Preis und die Summe der gerade laufenden Verbraucher. Von Hand ist das kaum zu schaffen, weil sich die Börsenpreise täglich ändern und niemand im Blick hat, wann die Wärmepumpe anspringt.
Was eine Steuerung konkret übernimmt
In unseren Anlagen läuft als Steuerzentrale die Software neoom Ai auf der BEAAM-Hardware. Sie misst Erzeugung und Verbrauch laufend und entscheidet selbst, wann welches Gerät läuft. Drei Dinge, die der Hersteller dokumentiert und die beim Leistungspreis zählen:
- Automatische Ladeplanung. Du gibst Abfahrtszeit und gewünschte Lademenge vor, die Software plant den Rest. Sie bezieht dynamische Strompreise, die PV-Produktionsprognose für deinen Standort, die Verbrauchsprognose des Haushalts und das Wetter ein und lernt den Standort über die Zeit besser kennen (Dokumentation von neoom).
- Zeitvariable Netzentgelte sind bereits eingebaut. Seit App-Version 2.14.0 berücksichtigt die Vorhersageintelligenz den Sommer-Nieder-Arbeitspreis beim intelligenten Batterie- und Autoladen (neoom zum SNAP). Die Software rechnet also heute schon mit einer Netzentgelt-Komponente, die sich nach der Uhrzeit richtet.
- Die großen Verbraucher laufen nicht gleichzeitig. Wärmepumpe, Wallbox und Heizstab werden in die Sonnenstunden verschoben und gegeneinander abgestimmt, statt sich zu überlagern.
Genau darin liegt der Vorteil einer Software gegenüber einer fest verdrahteten Steuerung: Sie lernt dazu, und sie bekommt ihre Updates über die Luft. Die Logik für zeitabhängige Netzentgelte ist bereits in Betrieb. Wenn die Tarifverordnung kommt, trifft sie auf ein System, das mit solchen Regeln schon rechnet, statt auf eine Anlage, die dann jemand umbauen muss.
Wie das bei uns eingerichtet wird, steht auf der Seite zur intelligenten Steuerung. Wir halten den Artikel hier aktuell, sobald die Tarife stehen.
Häufige Fragen
Ab wann gilt der Leistungspreis in Tirol?
Ab 1. Jänner 2027, bei Haushalten schrittweise bis spätestens 1. Juli 2028. Den genauen Termin für deinen Netzbereich gibt die TINETZ bekannt.
Brauche ich dafür einen Smart Meter?
Ja. Der Leistungspreis beruht auf seinen Viertelstundenwerten, ebenso der Winter- und der Sommer-Nieder-Arbeitspreis.
Zahle ich mehr, wenn ich keine Wärmepumpe und kein E-Auto habe?
Laut E-Control ändert sich für einen durchschnittlichen Haushaltskunden ohne leistungsstarke Anwendungen nichts.
Muss ich für meinen Netzanschluss nachzahlen?
Nein. Allen Bestandskunden wird pauschal eine netzwirksame Bezugsleistung von 10 kW zugeordnet, auch wenn bisher ein höherer Wert vereinbart war.
Zählt es, wenn ich kurz Wasserkocher und Backofen gleichzeitig einschalte?
In der Regel nicht. Laut TINETZ führen kurzzeitige Spitzen nicht automatisch zu einem höheren Abrechnungswert, gemessen wird der Durchschnitt über eine Viertelstunde.
Reicht ein dynamischer Stromtarif, um Netzkosten zu sparen?
Nicht allein. Ein dynamischer Tarif senkt den Arbeitspreis, wenn du in günstigen Stunden lädst. Der Leistungspreis bewertet aber, wie viel du gleichzeitig ziehst. Lädt nachts das Auto mit voller Leistung und die Batterie zieht parallel nach, entsteht eine neue Spitze, obwohl der Strom billig ist. Beides zusammen schafft nur eine Steuerung, die Preis und Summe der laufenden Verbraucher gleichzeitig sieht.
Was bringt ein Batteriespeicher beim Leistungspreis?
Die TINETZ nennt ihn als einen der Hebel gegen Lastspitzen. Wie viel das in Euro ausmacht, lässt sich erst mit der Tarifverordnung beziffern.
Wo entstehen deine Spitzen?
Wir schauen uns an, wie dein Haus heute Strom bezieht. Dafür brauchst du keine Entscheidung, nur deinen Stromverbrauch.
Planung vereinbarenQuellen und Stand
- E-Control, Presseaussendung „Neue Regeln für die Energiewende“ vom 12.10.2026: ots.at
- TINETZ, „Neue Netzentgelte“: tinetz.at
- ORF, Bericht vom 12.10.2026 (Beispiel zur Ladeleistung, Rabattwert zur flexiblen Netznutzung): orf.at
- neoom, Dokumentation zur automatischen Ladeplanung: wissen.neoom.com
- neoom, Berücksichtigung des Sommer-Nieder-Arbeitspreises ab App 2.14.0: wissen.neoom.com
Stand der Recherche: 12.10.2026. Alle Angaben stammen aus der Grundsatzverordnung der E-Control und der Infoseite der TINETZ. Die Euro-Beträge für Tirol stehen erst mit der Tarifverordnung fest, erwartet gegen Ende 2026. Alle Angaben sind Richtwerte, keine Zusage.